Ankerzellen verstehen

Jens Stangenberg • 20 August 2020

Ankerzellen verstehen


Bedeutung
Ankerzellen enthalten und verbinden alle wesentlichen Elemente für geistliches Wachstum. Ihr Ziel besteht darin, gemeinsam mit anderen verbindlich Jesus zu folgen und aus dem "Reden des Geistes auf der Grundlage des Wortes" Kraft für die täglichen Anforderungen zu gewinnen. Darin erweisen sie sich als wertvolle Energiequelle.

Elemente
Ankerzellen basieren auf sieben Elementen.

"Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft im Brotbrechen und im Gebet." (Apg.2,42)
 

  1. Apostel Lehre: Das richtige Saatgut und die richtige Düngung für den "neuen Christus-Menschen in uns" ist das Wort Gottes. Wichtig ist, dass der biblische Text in größeren Abschnitte gelesen wird und Gottes Geist dadurch zu uns sprechen kann.
     
  2. Gemeinschaft: Die hier gemeinte Art von Gemeinschaft bezieht sich auf die "Teilhabe an der Gabe des Geistes". Gemeint ist also nicht irgendein menschliches Zusammensein, sondern das Versammeln im Namen Jesu, des Auferstandenen, der durch seinen Geist unter uns wirkt.
     
  3. Brotbrechen: Das damalige Brotbrechen war noch kein kirchliches Ritual. Vor dem jüdischen Hintergrund ging es um ein Teilen der Grundnahrungsmittel in kleinen (Familien-)Gruppen, sodass jeder versorgt war. Auch heute gilt: Jede:r ist eingeladen dabei zu sein. "Brotbrechen" steht für die Praxis des Teilens, den Mit-teilens und des Aus-teilens.
     
  4. Gebet: Es gibt zwei Arten von Gebet: Das eine macht uns passiv und lässt uns abwarten. Das andere aktiviert uns und sucht danach, wie Gott durch uns wirken kann. In diesem zweiten Sinne wird Gebet bei der Urgemeinde gebraucht. Sie beteten darum, dass Gott ihnen Mut gibt, das Zeugnis von Jesus zu leben.

Die weiteren drei Punkte sind ebenfalls von hoher Bedeutung. Sie lassen sich aber nur sehr schwer in unserer postmodernen, fluiden und hoch individualisierten Kultur vermitteln. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gemeinsam anspornen, danach zu leben:

  1. Beständig bleiben: Im Bild vom Weinstock (Joh.15) spricht Jesus davon, wie wichtig es ist, "in ihm zu bleiben". Damit steht und fällt alles. Ankerzellen helfen dabei, mindestens einmal in der Woche das "Bleiben in Christus" zu üben.
     
  2. "aber": Im Urtext steht an dieser Stelle ein Wörtchen mit zwei Buchstaben. Viele übersetzen es mit "und" oder lassen es ganz weg. Man kann es jedoch auch mit "aber" übersetzen. Damit macht der Text deutlich: Wer Jesus folgen will, schwimmt nicht im "Mainstream", sondern entscheidet sich, eine Art von "counter culture" (Kontrastkultur) zu leben.
     
  3. "Sie...": Zum Schluss das Schwerste von allem: Der christliche Glaube hat eine Wir-Gestalt. Wer zum Glauben an Jesus kommt, wird in eine neue geistliche Familie hineingeboren. Wir sind nicht einzelne Christ:innen, die sich nachträglich entscheiden, ob sie zu einer geistlichen Gemeinschaft gehören wollen oder nicht. Die Wir-Gestalt des Glaubens ist nicht optional, sondern konstitutiv.
     

Ablauf
Ankertreffen dauern ca. 35 - 40 Minuten und finden in der Regel online per Zoom statt. Sie können zu jeder Tageszeit durchgeführt werden. Ein vitales Ankertreffen hat neun Phasen, die teilweise fließend ineinander übergehen:

  1. Check-In: Ein kurzes "Hallo" und eine kleine Runde zur aktuellen Befindlichkeit jedes Teilnehmenden.
     
  2. Jesus begrüßen: Macht euch bewusst, dass Jesus unsichtbar in eurer Mitte ist und durch seinen Geist und den Text reden möchte. Dieses Bewusstmachen kann durch ein eröffnendes Gebet oder eine einfache stille Sammlung geschehen.
     
  3. Lautes Lesen des Bibeltextes: Der Host hat einen Bibeltext von ca. 15 - 25 Versen vorbereitet und teilt diesen am Bildschirm. Entsprechend der Anzahl der Teilnehmenden liest jede:r einen Abschnitt.
     
  4. Stilles Lesen des Textes: Dabei lauten die Leitfragen: Wo berührt mich der Text? Was ist mir wichtig? Welche geistliche Wahrheit baut mich auf?
     
  5. Austausch über den Text: Jede:r teilt den anderen mit, welche Passage bei ihm/ihr Resonanz ausgelöst hat. Die Aussagen bleiben nebeneinander stehen. Sie werden nicht bewertet. Manchmal kann es auch zu Verstehensfragen kommen. Um eine daraus resultierende Lese-Blockade zu vermeiden, kann eine antwortende Erläuterung hilfreich sein. Das sollte aber die Ausnahme bleiben.
     
  6. Gebet entlang des Textes: Gut ist, zunächst mit Dank und Anbetung zu beginnen. Das, was uns am Text berührt hat, machen wir zu einem Gebet. Jede:r dankt Gott für die Wahrheit, die ihm wertvoll ist.
     
  7. Fürbitte füreinander und für andere: In diesem Schritt richten wir bewusst den Blick nach außen. Wer braucht Gebet? Wo können wir helfen? Wenn können wir einladen?
     
  8. Einander den Segen zusprechen: Sich im Namen Gottes segnen bedeutet, dem/r anderen zuzusprechen, dass er/ sie unter der Liebe des Schöpfergottes, in der Nachfolge Jesu und durch das Wirken des Geistes zur vollen Entfaltung kommt.
     
  9. Absprachen: Das Treffen schließt mit Absprachen für das nächste Treffen.
     

Formierung
In einem ersten Schnupper-Treffen finden sich Interessierte zusammen. Dieses Treffen dauert in der Regel knapp eine Stunde und wird mit einem Bezahl-Zoom-Account durchgeführt. Auf diese Weise muss das Treffen nicht zwangsläufig nach 40 min abgebrochen werden. Zu Beginn des Treffens gibt es einführende Erklärungen. Dann durchläuft die Gruppe probeweise einen Anker-Zyklus. Am Ende ist noch Zeit für Rückfragen. Wenn es bei diesem ersten Treffen ausreichend Interesse gibt, startet in der darauffolgenden Woche die neue Ankerzelle. Für einen Start sollten es möglichst vier Personen sein. Bei dem ersten regulären Anker-Treffen orientieren wir uns dann an der 40 min Zeitbegrenzung. Gut wäre es, wenn die Teilnehmenden nach den ersten zwei bis drei Treffen entscheiden, ob sie für die nächste Zeit fest zur Ankerzelle dazugehören möchten.
 

Rhythmus
Stabile Ankerzellen finden einmal pro Woche statt. Die Teilnahme ist (möglichst) verbindlich und sollte nur in seltenen Fällen ausgesetzt werden. Durch das flexible Online-Format kann man von nahezu jedem x-beliebigen Ort daran teilnehmen. Man kann eine Gruppe jederzeit wieder verlassen. Schön wäre es allerdings, wenn man für eine gewisse Zeit stabil zusammen bleibt.


Allgemeine Reflexion
 

  • Lautes Lesen und Beten: In unserer Kultur sind wir daran gewöhnt, leise zu lesen und zu beten. Früher war das anders. Es ist wichtig, dass wir Wahrheiten sowohl vor uns selbst laut aussprechen (oder singen) als auch vor anderen bekennen. Genauso wichtig ist es, dass wir anderen dabei zuhören.
     
  • Grundlage ist das Wort Gottes: Jesus spricht davon, dass das Wort Gottes wie ein Samenkorn ist. Es fällt in unser "Herz", keimt dort und wächst heran. Durch das Wort Gottes wird göttliches Leben gezeugt. Deswegen wird Jesus auch das "Wort Gottes" genannt. Klar ist: Es geht nicht um die Buchstaben, sondern dass der Geist Gottes den Text lebendig macht und Gott dadurch zu unserem Geist redet und ihn ernährt.
     
  • Zur Beteiligung ermutigen: Die ideale Gruppengröße ist die, in der sich alle beteiligen können, ohne dass es sich wie ein "Gruppendruck" anfühlt. Es kann Tage geben, da möchte jemand eher still sein. Wenn die Gruppe zu klein ist, kann dadurch der "Beteiligungs-Fluss ins Stottern" geraten. Deswegen ist die Empfehlung, sich mit mindestens 4 Personen, aber höchsten 7 Personen zu treffen. Das Ganze sollte jedoch nicht als starre Regel verstanden werden. Wichtig ist, dass alle sich beteiligen können und es nicht zu einem Gefälle von "Aktiven" und "Zurückhaltenden" kommt.
     
  • Gott wirkt geheimnisvoll: Unterm Strich ist all das oben Aufgeschriebene nicht als Automatik zu verstehen. Ankergruppen sind nur eine hilfreiche Rahmenstruktur, um in sehr kompakter Form "Raum für Gottes Reden auf der Grundlage des Wortes" zu schaffen. Staune mit, wie das Wort Gottes im Herzen von Menschen Wurzeln schlägt und beginnt Frucht zu tragen.

Wenn du Interesse hast, bei einer Ankerzelle mitzumachen, dann

  • sieh dir die Liste der aktuellen Ankerzellen an. Die ideale Gruppengröße ist zwischen 4 und 7 Personen. Ordne dich gerne einer Gruppe zu und sei beim nächsten Termin dabei. Es ist gut, wenn du dich in dem Kommentar-Stream der jeweiligen Gruppe kurz anzukündigst.
  • Oder: Falls alle Gruppen voll sind oder für dich keine passende Zeit dabei ist, tritt der Gruppe "Abspracheforum für neue Ankerzellen" bei. Dort loten wir aus, welche neuen Konstellationen und Zeiten möglich sind.